Pubertät beim Hund: Was im Gehirn passiert
- Alex Dankert
- 12. Apr.
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 15 Stunden
„Er weiß es doch – warum macht er’s nicht?“
Die Welpenzeit war easy. Der Hund hat schon ganz viel gelernt und hört, wenn man ihn ruft. Doch plötzlich ändert sich was. Der junge Hund hat scheinbar alles wieder vergessen und wird "aufmüpfig". Für dich fühlt sich das vielleicht an wie „er ignoriert mich“. Die Wahrheit ist:
Sein Gehirn funktioniert gerade anders.
Pubertät = Umbau im Gehirn
Was viele nicht wissen:
Die Pubertät ist kein „Verhaltensproblem“, sondern eine komplette neurobiologische Umstrukturierung.
Das betrifft:
Emotionen
Lernen
Impulskontrolle
Motivation
1. Das Emotionssystem wird scharf gestellt
Die Amygdala bewertet Reize, die der Hund wahrnimmt. Sie entscheidet:
„Gefahr oder sicher?“
In der Pubertät reagiert sie empfindlicher. Was ja auch verständlich ist:
Je weiter die Kreise werden, die der Hund jetzt zieht, desto größer das Risiko.
Deshalb arbeitet das emotionale Warnsystem auf Hochtouren - und:
emotionale Reaktionen werden stärker.

2. Impulskontrolle ist im Umbau
Im Gegensatz dazu gleicht der präfrontale Kortex, der Ort, wo rationales Denken und Erinnern stattfinden, gerade einer Großbaustelle.
Nicht richtig funktionieren:
Kontrolle
Entscheidungen
„Nachdenken statt reagieren“
Das führt zu mehr impulsivem Verhalten und Stress.
3. Lernen funktioniert anders
Was die Sache auch nicht leichter macht:
Die Ausschüttung des Botenstoffs GABA mit seiner hemmenden Wirkung sorgt dafür, dass das Gehirn über eine geringere "synaptische Plastizität" verfügt - es "wächst" gerade nicht so gut. Heißt:
Lernen fällt schwerer.
Abrufen des Gelernten funktioniert schlechter.
Der vermeintliche "Ungehorsam" ist kein böser Wille - sondern Biologie.
4. Dopamin macht die Welt spannender
Parallel dazu fährt das Belohnungssystem fährt hoch: Neue Reize, die für den Dopamin-Kick sorgen, werden extrem attraktiv. Was im Umkehrschluss bedeutet:
mehr Erkundungsverhalten
mehr Ablenkbarkeit
weniger Fokus auf dich
5. Stresssystem in Aktion
Auch das Stresssystem hat ordentlich zu tun und schüttet reichlich Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol aus. Was dazu führt, dass der Hund schnell hochfährt, schnell überfordert, schnell "drüber" ist - und sich selbst schlecht wieder "runterregulieren" kann.
Warum dein Training gerade „nicht wirkt“
Jetzt wird’s klar:
Dein Hund ist nicht stur.
Dein Training ist nicht „falsch“.
Aber:
Es passt gerade nicht zum Zustand seines Gehirns.

Der wichtigste Perspektivwechsel
Dein Hund kann gerade oft nicht so reagieren, wie er es eigentlich gelernt hat.
Was jetzt wirklich wichtig ist:
Emotionen verstehen
Kleinschrittiges Training
Viele Erfolgserlebnisse
Viel Belohnen
Ruhe reinbringen
Fazit
Pubertät ist kein böser Wille. Es ist ein Umbauprozess.
Und der fühlt sich oft chaotisch an – aber unumgänglich auf dem Weg zum Erwachsenwerden.
Im nächsten Artikel:
Warum dein Hund draußen plötzlich nicht mehr hört – und was wirklich dahinter steckt
Wenn du das gerade erlebst
Wenn dein Hund:
draußen komplett aussteigt
schlecht ansprechbar ist
schnell überreagiert
dann schauen wir uns das gemeinsam an.
Schreib mir kurz, was bei euch los ist.



