Impulskontrolle: Warum dein Junghund gerade nicht so kann, wie er soll
- Alex Dankert
- 14. Apr.
- 2 Min. Lesezeit
In der Pubertät passiert im Gehirn deines Hundes gerade ziemlich viel.
Systeme werden umgebaut. Verbindungen neu organisiert. Emotionen schießen hoch.
Denken funktioniert gerade nicht wirklich gut. Die Fähigkeit, sich selbst zu kontrollieren, ist alles jetzt alles andere als ausgeprägt.
Impulskontrolle kostet viel
Impulskontrolle bedeutet Belohnungsaufschub. Was oft unterschätzt wird: Impulskontrolle ist mega anstrengend.
Sie kostet deinen Hund:
Konzentration
Selbstregulation
Energie
Frustrationstoleranz
Und sie erfordert ein gerüttelt Maß an Frustrationstoleranz. Wer da zuviel verlangt, schießt den Hund schnell in den Frust. Und Frust macht Stress. Und Stress verhindert Lernen.
Warum Training jetzt oft schwierig wird
Was dich jetzt auf jeden Fall nicht weiterbringt:
mehr Kontrolle
mehr „Zusammenreißen“
mehr "Funktionieren"
Das kann dein junger Hund gerade gar nicht leisten. Und er braucht deshalb gerade jetzt nicht noch mehr Stress und Druck und Frust. Sondern Training, das sich seinem Entwicklungsstadium anpasst. Das ihn da abholt, wo er steht - und in kleinen Schritten weiterbringt.

Die Sache mit den Impulskontrollübungen
Übungen zur Impulskontrolle und zur Regulierung der Erregung sind ein wichtiger Bestandteil im Jundhundetraining. Aber was dabei oft übersehen wird:
Impulskontrolle ist nicht gleich Impulskontrolle.
Sie funktioniert nicht automatisch überall gleich. Sie muss im jeweiligen Kontext und angepasst an die Erregungslage geübt werden.
Beispiel:
Nur weil der Hund gelernt hat, ruhig vor dem Napf zu warten heißt das nicht, dass er auch ruhig sitzen bleibt, wenn ein Eichhörnchen vorbeiläuft. Anderer Kontext, andere Erregungslage: Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.
Was jetzt im Training entscheidend ist
Gerade in der Pubertät braucht es ein anderes Verständnis von Training.
Weg von "der muss das jetzt!", hin zu "was kann er gerade leisten?"
Hochfrequent belohnen
Alles, was der Hund gut macht wie z.B. ruhiges Verhalten, belohnen.
Kurze Einheiten
Wenige gute Trainingsdurchgänge wirken nachhaltig.
Frust im Blick behalten
Zu viel Impulskontrolle kann schnell kippen.
Wenn dein Hund ständig warten, sich zurücknehmen und Bedürfnisse (= Emotionen) unterdrücken soll:
Frustration taucht auf
Spannung steigt
Stimmung kippt
Vom Frust führt ein gerader Weg ins Aggressionsverhalten.
Impulskontrolle ≠ Dauerzustand
Impulskontrolle bezieht sich auf konkrete Situationen und ist kein Dauerzustand!
Ruhiges Verhalten fördern
Je höher das Erregungsniveau des Hundes, desto schwieriger die Impulskontrolle.

Fazit
Impulskontrolle ist keine Selbstverständlichkeit.
Sie fordert vom Junghund, was er gerade am wenigsten kann: Denken.
Sie ist anstrengend und muss kleinschrittig sowie möglichst frustfrei im jeweiligen Kontext geübt werden.
Sie muss sich wirklich lohnen.
Und genau hier setzt gutes Training an.
Wenn du gerade mittendrin steckst
Wenn dein Hund:
schnell hochfährt
schlecht runterkommt
draußen kaum ansprechbar ist
dann lohnt sich ein genauer Blick.
Schreib mir kurz, was bei euch gerade los ist. Ich helfe dir, das einzuordnen.


