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Was dein junger Hund gerade wirklich leisten kann – und was nicht

  • Autorenbild: Alex Dankert
    Alex Dankert
  • vor 1 Tag
  • 3 Min. Lesezeit

Vor ein paar Wochen lief noch vieles. Der Rückruf war da, die Orientierung auch. Und jetzt wirkt es, als wäre das alles weg. Was wie Rückschritt aussieht, ist in Wirklichkeit Entwicklung.


Du kennst diesen Gedanken. Er konnte das doch schon! Vor ein paar Tagen hat es noch funktioniert – der Rückruf, die Ansprechbarkeit, die relative Ruhe in Situationen, die jetzt wieder schwierig sind. Und jetzt? Mehr Reaktionen, weniger Kontrolle, schlechtere Ansprechbarkeit. Das Gefühl, dass irgendetwas auseinanderfällt, was gerade erst zusammengewachsen war.


Was viele in diesem Moment denken: Er vergisst alles. Er testet mich. Wir machen etwas falsch. Die ehrlichere Antwort ist eine andere: Dein Hund verändert sich gerade. Und das, was du erlebst, ist nicht Rückschritt. Es ist Entwicklung, Wachstum.


Was in der Pubertät im Gehirn passiert

Die Pubertät ist keine Laune und kein Trotz. Sie ist ein massiver neurologischer Umbau. Das Gehirn reorganisiert sich, Verbindungen werden neu geknüpft, andere vorübergehend geschwächt. Die Welt wird größer. Die Reizempfindlichkeit steigt. Was das im Alltag bedeutet: Dein Hund reagiert schneller, ist leichter abgelenkt und kann sich schlechter regulieren als noch vor einigen Wochen. Nicht weil er nicht will – sondern weil sein System gerade buchstäblich umgebaut wird.


Das beeinflusst unmittelbar, was er leisten kann. Und was nicht.



Großwerden ist soooo anstrengend - für alle!
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Leistung ist keine feste Größe

Einer der häufigsten Denkfehler im Training lautet: Er kann das doch. Und ja – er kann es. Aber eben nicht immer, nicht überall und nicht unter allen Bedingungen. Was ein Hund leisten kann, hängt in jedem Moment ab von der Umgebung, den vorhandenen Reizen, seinem aktuellen Erregungslevel und schlicht seiner Tagesform. Es gibt kein grundsätzliches Können, das situationsunabhängig abrufbar wäre. Das gilt für erwachsene Hunde – und es gilt in der Pubertät noch viel mehr.


Gerade jetzt sind bestimmte Dinge für viele Hunde schlicht nicht zuverlässig abrufbar: der Rückruf unter Ablenkung, ruhiges Verhalten bei hoher Erregung, stabile Impulskontrolle, langes Durchhalten in schwierigen Situationen. Das bedeutet nicht, dass dein Hund schwierig ist. Es bedeutet, dass sein System gerade am Limit arbeitet.


Und gleichzeitig – das ist der entscheidende Punkt – kann dein Hund sehr wohl lernen. Nur unter anderen Bedingungen als bisher.


Der Fehler, der am meisten kostet

Die größten Probleme in dieser Phase entstehen nicht durch mangelnden Einsatz, sondern durch falsche Erwartungen.


Wenn man dieselbe Leistung erwartet wie vor der Pubertät, Funktionieren trotz hoher Reizlage voraussetzt und Kontrolle in Situationen einfordert, die den Hund gerade überfordern – dann entsteht auf beiden Seiten Frust. Beim Menschen, weil nichts klappt. Beim Hund, weil er nicht leisten kann, was von ihm erwartet wird, und das auch nicht versteht.


Erwartungen, die nicht zum Entwicklungsstand passen, sind kein Motivationsproblem. Sie sind ein Informationsproblem. Wer versteht, was gerade im Hund passiert, stellt andere Fragen – und bekommt andere Ergebnisse.


Was stattdessen trägt

Training in der Pubertät funktioniert nicht mit mehr, sondern mit besser.


Kleiner denken: kleine Schritte statt großer Ewartungen.

Früher reagieren: bevor die Erregungslage in die Höhe schießt.

Häufiger belohnen: kleine Fortschritte sofort verstärken, nicht auf den großen Moment warten.

Pausen machen: Erholung ist kein Luxus, sie ist Teil des Alltags.


Das bedeutet nicht, dass man aufgibt oder alles laufen lässt. Es bedeutet, dass man den Rahmen anpasst, in dem trainiert wird. Wer den Rahmen an das anpasst, was der Hund gerade leisten kann, wird feststellen, dass sich mehr tut als erwartet – weil der Hund endlich wieder Erfolgserlebnisse hat, statt dauerhaft zu scheitern.


Der Perspektivwechsel, der alles verändert

Dein Hund will nicht weniger. Er kann gerade weniger leisten. Das ist kein Charakterproblem und kein Zeichen dafür, dass das Training der letzten Monate umsonst war. Es ist eine Phase – eine für alle Beteiligte herausfordernde, manchmal zermürbende, aber zeitlich begrenzte Phase.


Pubertät ist keine Phase, die man wegtrainiert. Es ist eine Phase, die man begleitet.


Wer versteht, was der Hund gerade leisten kann und was nicht, trainiert realistischer, klarer und letztlich wirksamer. Nicht weil man weniger fordert – sondern weil man das Richtige fordert, zum richtigen Zeitpunkt, unter den richtigen Bedingungen.


Dein nächster Schritt

Wenn dein Hund gerade schnell hochfährt, schwer ansprechbar ist oder Dinge zu vergessen scheint, die er längst konnte – dann ist das kein Einzelfall.


Schreib mir kurz, was bei euch gerade los ist. Ich helfe dir, das einzuordnen.


Und schau auch gerne in unser Junghundetraining rein!



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